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Bitte schützen Sie das Ladenschild des Cafés Atlantik


26 September 2016 | By Zhang Hanyi | SISU

Der deutsche Generalkonsul und der israelische Generalkonsul in Shanghai schrieben gemeinsam einen Brief an den Bürgermeister des Hongkou-Bezirks in Shanghai. Sie hofften, dass Zeichen wie das Ladenschild des Cafés Atlantik geschützt werden sollten. Sie sind nämlich Zeugen der Großzügigkeit der Shanghaier, die den ausländischen Flüchtlingen ein Obdach boten.

Vor dem Abbau der alten Häuser ließ das Wohnungsamt des Hongkou-Bezirks das ganze Ladenschild von dem schweren Türsturz und Hausbalken entfernen. Danach wurde es vorerst in die alte Moses-Synagoge transportiert und dort aufbewahrt, damit man es später in dem neu renovierten Café Atlantik ausstellen kann.

Während des Zweiten Weltkriegs verfolgten die Nazis in ganz Europa die Juden. Etwa 20.000 Juden aus Deutschland und den Nachbarstaaten flüchteten nach Shanghai und ließen sich in Hongkou, dem sogenannten „kleinen Wien“ nieder.

Das ist wohl der Anlass, dass über ein halbes Jahrhundert später Wolfgang Röhr, der deutsche Generalkonsul in Shanghai mit dem israelischen Generalkonsul Ilan Maor gemeinsam einen Brief an den Bürgermeister des Hongkou-Bezirks schrieb. Am 5. August 2004 erhielt Herr Cheng Guang den Brief, in dem stand, dass sie die Rolle der Stadt Shanghai, insbesondere des Hongkou-Bezirks während des Zweiten Weltkriegs in angenehmer Erinnerung hätten. Sie erführen, dass es an zwei alten Gebäuden in der Haimen-Straße noch drei deutschsprachige Ladenschilder hingen. Sie seien geschichtlich wertvoll, weil sie die Großzügigkeit der Shanghaier den ausländischen Flüchtlingen gegenüber zeigten. „Diese zwei alten Gebäude sind noch nicht in der Liste der Erinnerungsgegenstände aufgenommen. Angesichts der rasanten, eindrucksvollen Entwicklung des Hongkou-Bezirks fürchten wir, dass sie in der nahen Zukunft verschwinden werden“, schrieben sie besorgt. Deshalb baten sie den Herrn Bürgermeister, die beiden alten Gebäude oder mindestens die Schilder vor der Zerstörung zu schützen.

Am 27. August leitete der Bürgermeister den Brief an das Wohnungsamt weiter.

Am 28. August wurde Herr Wang Hongjun, Leiter der Abteilung für Eigentumsrechte, mit dieser Arbeit beauftragt. Sein Großvater war einst kaiserlicher Gesandter in Deutschland, Frankreich und anderen Ländern in der Zeit der Qing-Dynastie und Minister für auswärtige Angelegenheiten und Premierminister in der Zeit der Republik China. Zudem wurden viele seiner Verwandten in andere Länder und Regionen abgeordnet. Nun ist er als Leiter der Abteilung für Eigentumsrechte zuständig für die Verwaltung des  historischen Bezirks und viele schöne historische Gebäude. In diesem Sinne hat seine Familie eine Tradition für Diplomatie.

Am 30. August fuhr er mit seinen Kollegen dorthin. Die Ladenschilder lagen unter dem Balkon im ersten Geschoss. Dank der Schirmung des Balkons waren die Schriften auf dem Schild nach 60 Jahren noch klar erkennbar.  Herr Wang teilte den Mitarbeitern im Wohnungsbüro der Straße und in der Hausmanagement-Firma mit, dass diese drei Ladenschilder historische Gegenstände seien. Es sei verboten, sie zu bemalen oder abzureißen. Falls dies passieren würde, sollten sie dem Wohnungsamt in Hongkou sofort berichten.

Am nächsten Tag wurde die gute Nachricht dem deutschen Generalkonsul mitgeteilt. Der Sekretär war am Apparat, weil Herr Röhr gerade Urlaub machte. Ende des Jahres bekam Herr Cheng unerwartet einen Anruf vom deutschen Generalkonsulat in Shanghai. Es wurde gesagt, dass sich der Generalkonsul sehr freute, dass die Aufgabe für die Ladenschilderaufbewahrung schon erledigt wurde. Er hatte geglaubt, dass der Brief folgenlos bleiben würde. Er wollte sich mit Herrn Wang treffen und ihn zusammen mit dem israelischen Generalkonsul zum Essen in seiner Residenz einladen. Mit Genehmigung des Behördenleiters nahm er die Einladung an.

Wang Hongjuns Vater, der an der University of Shanghai (沪江大学) studierte und Außenhandel trieb, riet seinem Sohn, der Frau des Generalkonsuls einen Blumenstrauß mitzubringen. Am Mittag vom 6. Januar 2005 betrat Wang Hongjun pünktlich das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Shanghai auf der Yongfu-Straße. Der Generalkonsul begrüßte ihn herzlich. Er schenkte ihm die Blumen und sagte: „Das ist für Ihre Frau.“ Der Generalkonsul bedankte sich: „Vielen Dank für die Blumen! Sie sind doch mit unseren deutschen Sitten sehr vertraut.“

Der deutsche Generalkonsul und der israelische Generalkonsul dankten gemeinsam Herrn Wang für die Bewahrung der Ladenschilder. Beim Essen sprachen sie über die jüdische Geschichte, Kultur sowie die Erlebnisse der jüdischen Flüchtlinge in Shanghai. Herr Röhr sprach sehr fließend Chinesisch. Es schien so, als ob er in Beijing aufgewachsen wäre. Als deutscher Generalkonsul machte er in Herrn Maors Gegenwart Reflexionen über die Vergangenheit. Danach wurde noch über die Moses-Synagoge gesprochen. Herr Röhr äußerte die Bereitschaft der deutschen Regierung, im Bedarfsfall einen finanziellen Beitrag für die Renovierung der Synagoge zu leisten.

Wegen des Aufbaus der U-Bahn-Linie 12 und der Verbreiterung der Dong- changzhi-Straße wurde Ende 2008 das Haus Nr. 127 in der Haimen-Straße abgerissen. Durch den Anruf vom Direktor des Museums für Jüdische Flüchtlinge erfuhr Wang Hongjun, dass einige führende Beamten die alten Ladenschilder abreißen lassen wollten. Er machte sich große Sorgen: Die Schilder waren Zeugen der Geschichte und erinnerten an die jüdischen Flüchtlinge. Sie sind doch zu wertvoll, um zerstört zu werden. Wenn sie abgerissen wären, wie sollten wir den beiden Generalkonsuln, geschweige denn der Geschichte gegenüberstehen?

Um die Ladenschilder zu schützen, bat Wang Hongjun die Propagandaministerin Frau Song Yan und den Parteisekretär Sun Weiguo des Hongkou-Bezirks um Hilfe. Frau Song bot gerne finanzielle Unterstützung an und 100.000 Yuan wurden bald zusammengestellt. Für technische Unterstützung waren den Professoren und Studierenden an der Tongji-Universität zu danken. Nach dem konzipierten Abbauplan wurde das Ladenschild vom Türsturz und Hausbalken intakt abgebaut und in die Synagoge transportiert.

Herr Jiang, der damals schon in Ruhestand getretene Amtsleiter, sendete eine SMS an Herrn Wang: „Du hast für unseren Hongkou-Bezirk ein Stück historisches Kulturerbe aufbewahrt. Darauf bin ich stolz!“

Im Mai 2013 ist das neue Café Atlantik im Jüdischen Flüchtlingsmuseum Shanghai, wo früher sich die alte Moses-Synogoge befand, „auferstanden“. Bei seinem Besuch in Shanghai nahm der israelische Präsident Benjamin Netanyahu an der Einweihung des neuen Cafés teil.

Ich habe noch nie an der Einweihung eines Cafés teilgenommen. Ich bedanke mich, dass ihr dieses so schöne und bedeutende Kulturerbe aufbewahrt habt!“ Beim Kaffeetrinken sagte der Präsident, und sein warmer Blick fiel auf die drei Ladenschilder, die an der grünen Ziegelwand über der Bar hingen.

Die drei schon eingerahmten Ladenschilder bedeuten in der Erinnerung der alten Hongkouer das Café Atlantik, Horn and Joint und Sausage Tenor Sandwich.

 (Zhang Hanyi: Masterstudentin der Germanistischen Fakultät der SISU; Korrektur: Sun Yu, C. H. Y. & T. E.)

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