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Arztbesuch in Deutschland


03 September 2017 | By Zhang Chengchen | SISU

Obwohl ich in Deutschland jeden Monat gut 80 Euro für die Krankenversicherung bezahlt habe, habe ich nie geglaubt, dass ich sie eines Tages wirklich in Anspruch nehmen würde. „Sag niemals nie“, so heißt es aber. Man weiß doch nicht, was als nächstes passieren wird.

Eines Abends war ich in der Bibliothek so auf das Lernen konzentriert, dass ich die Zeit nicht beachtet habe. Erst als ich eine Pause machen wollte, habe ich bemerkt, dass es schon spät war und ich nur sehr wenig Zeit hatte, um den Bus nach Hause zu erreichen. In der Eile habe ich den Halt verloren und bin die Treppe heruntergefallen. Obwohl mir mein linker Fuß weh getan hat, habe ich es nicht so ernst genommen und bin mit dem Bus nach Hause gefahren.

Als ich daheim angekommen bin, hatte ich das Gefühl, dass ich die Schmerzen nicht mehr aushalten konnte. Ich habe meine deutsche Mitbewohnerin, die Biomedizin studiert, aufgeweckt und gebeten, mir wirksame Medikamente oder Salben zu geben. Als sie meine Verletzung gesehen hat, wurde sie ernst und hat mir gesagt: „Dein Fuß ist sehr dick geschwollen. Wir gehen besser jetzt sofort ins Krankenhaus. Mach dir keine Sorgen. Ich gehe auch mit.“

So sind wir in der tiefen Nach noch mal aufgebrochen, um die chirurgische Klinik aufzusuchen. Nach etwa zwei Stunden Wartezeit habe ich eine Computertomographie (CT) gemacht, wobei sich herausgestellt hat, dass meine Knochen zum Glück nicht verletzt waren, nur der Abstand zwischen Schienbein und Wadenbein größer war als im normalen Zustand. Da der Vorfall erst vor ein paar Stunden geschehen war, schien die Schwellung allerdings ein bisschen übertrieben zu sein. Aber um auf der sicheren Seite zu sein, hat der Arzt mich zum orthopädischen Klinikum überwiesen, damit ich eine Analyse von zwei Kliniken bekommen und eine Magnetresonanztomographie (MRT) machen konnte. Mein Fuß wurde auch in Gips gelegt, um sicherzustellen, dass die Verletzung bis zum nächsten Arztbesuch nicht schlimmer wurde. Da es schon Freitagabend war und die deutschen Kliniken am Wochenende keine Sprechstunde haben, musste ich bis zum nächsten Werktag warten.

Als ich in der darauf folgenden Woche im orthopädischen Klinikum war, bekam ich ungefähr die gleiche Diagnose. Eine MRT war unvermeidbar. Aber anders als ich gedacht habe, konnte ich nicht direkt in dieser Klinik eine MRT machen lassen, weil man sehr lange auf einen Termin warten muss. Deshalb wurde ich wieder in eine andere Praxis überwiesen, um einen früheren Termin zu vereinbaren.

Drei Tage später war mein Termin. Das Ergebnis hat gezeigt, dass die Verletzung zum Glück nicht so schlimm war. Nur zwei Außenbänder waren angerissen. Als ich erleichtert aufatmete, sagte mir meine Radiologin, dass ich noch mal ins orthopädische Klinikum gehen müsse, weil sie nur für MRTs und nicht für Behandlungen zuständig ist. Da dieser Tag ausgerechnet wieder ein Freitag war, standen mir zwei Möglichkeiten zur Auswahl: sofort ohne Termin oder erst nächste Woche mit einem Termin den Arzt besuchen. Blitzschnell habe ich die Entscheidung getroffen: Los geht’s! Jetzt ins Krankenhaus!

Allerdings hatte diese Entscheidung auch ihre Kosten. Ohne Terminvereinbarung habe ich fast fünf Stunden warten müssen, womit ich gar nicht gerechnet habe. Außerdem bin ich noch auf andere Schwierigkeiten gestoßen – ein Überweisungsbeleg wurde verlangt. Hier geht es um das deutsche Gesundheitssystem. Wenn man in Deutschland in ein großes Klinikum gehen möchte, muss man normalerweise zuerst den Hausarzt, den Allgemeinmediziner, besuchen und von ihm an ein entsprechendes Klinikum überwiesen werden, mit Ausnahme von Notfällen. Damit wird beabsichtigt, die großen Krankenhäuser zu entlasten. In meinem Fall handelte es sich nicht mehr um eine Notaufnahme, weshalb ich den Überweisungsbeleg vorlegen musste, sonst musste ich selbst für die Kosten aufkommen. Was nun? Ich habe immer wieder gehört, dass die medizinischen Kosten ohne Versicherung besonders hoch sind. Zu meiner Erleichterung habe ich von einem Angestellten dort erfahren, dass ich die Überweisung auch nachträglich ans Klinikum schicken konnte.

Daher habe ich wieder einen Termin mit einer Praxis in der Nähe vereinbart und bin drei Tage später dorthin gegangen. Nachdem ich die Überweisung abgeschickt hatte, war meine 10-tägige Reise durch die Heidelberger Krankenhäuser endlich vollendet. Dabei habe ich am eigenen Leib zu spüren bekommen, wie kompliziert das deutsche Gesundheitssystem ist. Aber ich muss auch zugeben, dass das eine völlig neue Erfahrung für mich in Deutschland war.

Was mich beeindruckt hat, ist vor allem die Bargeldlosigkeit. Beim Arztbesuch in Deutschland braucht man nur die Versicherungskarte und den Personalausweis vorzulegen. An Ort und Stelle bezahlt man nichts, sondern man bekommt nach jedem Krankenhausbesuch eine Rechnung per Post geschickt. Ohne Versicherung kann der Arzt auch direkt besucht werden, aber die Kosten können sehr hoch sein.

Außerdem finde ich persönlich, dass es in deutschen Krankenhäusern angenehmer ist als in chinesischen, hauptsächlich, weil es keinen Geruch nach Desinfektionsmittel gibt. Sowohl in größeren Kliniken als auch in den Praxen ist der Wartebereich humanistisch entworfen. Eine Spielecke für Kinder ist immer eingerichtet, Bücher und Zeitschriften sind stets vorhanden, und manchmal werden sogar Tee und Kaffee kostenlos für die wartenden Patienten angeboten.

Das Glück im Unglück ist, dass meine Verletzung nicht so schlimm ist und ich keine Operation benötige. Obwohl ich keine unangenehmen Erfahrungen mit dem Arztbesuch hatte, hoffe ich doch, dass ich die Krankenversicherung in Deutschland nie wieder in Anspruch nehmen muss.

(Verfasserin: Germanistikstudentin des 3. Jahrgangs und gegenwärtig als Austauschstudentin in Heidelberg; Korrektur: C. H. Y. & A. P.)

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