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Eine moderne Kirche


21 January 2018 | By Ma Yindan | SISU

Ich habe mehr als zwei Monate in Heidelberg gelebt und schon viele Sehenswürdigkeiten besucht, beispielsweise das Schloss, den Philosophenweg und den Weihnachtsmarkt. Was kann ich noch in meiner Freizeit machen?

Zwei amerikanische Studenten haben mich gefragt, ob ich einen Gottesdienst besuchen wollte, der sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch abgehalten werden wird. Obwohl ich ja gesagt hatte, habe ich daran gezweifelt, ob er mir wirklich gefallen wird.

Der Gottesdienst fand in der Kirche „Calvary Chapel Heidelberg“ statt, die in der Vangerowstraße in der Nähe vom Betriebshof liegt. Wir sind um 10.30 Uhr pünktlich vor der Kirche angekommen. „Ist es überhaupt eine Kirche?“, fragte ich mich. Das Gebäude sieht nicht anders aus als andere Wohngebäude. Der innere Raum der Kirche sieht aus wie ein großer Konferenzraum, der sehr modern eingerichtet ist. Die Messe ist gut besucht worden, von Leuten jeden Alters und aus der ganzen Welt. Alle begrüßten einander freundlich wie in einer großen Familie.

„Wo ist der Priester mit einer schwarzen Kleidung?“ Oh, da habe ich mich wieder geirrt. Er hat ein T-Shirt und Jeans getragen. Die Musik fing an und alle sangen mit: Es war ein englisches Lied. Aber es wurde nicht auf einer Orgel oder einem Klavier, sondern auf Gitarren begleitet. Der Glaube an Gott wurde besungen, aber die Melodie und der Rhythmus waren munter und schwungvoll wie die Popmusik.

Im Anschluss daran wurde ein Vortrag über eine Spendenreise gehalten. Viele Mitglieder der Kirche hatten daran teilgenommen. Sie erzählten von ihren Geschichten und forderten das Publikum auf, etwas für die Natur zu tun.

Den Höhepunkt dieser Messe stellte die Bibellese dar. Die meisten hatten ihre eigene Bibel mitgebracht. Wenn man keine Bibel hatte, konnte man eine Kopie von der Kirche bekommen. Der Priester hat den Text auf Englisch gelesen, der dann von einem Dolmetscher ins Deutsche übersetzt worden ist. An diesem Tag wurden Klagelieder Jeremias 3.37-5.22 gelesen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Bibellese nur bedeutet, die Bibel zu lesen. Aber in Wirklichkeit muss der Priester auch die Bibel interpretieren. Das hat er voller Emotionen und Humor gemacht.

Er hat gesagt, dass man ein schlechtes Gewissen aus Angst habe, wenn man etwas Falsches getan habe. Deshalb gehe man in die Kirche und hoffe, dass Gott einem die Schuld vergeben könne. Aber wie? Wie kann Gott die Schuld vergeben? Der Priester hat seine Meinung geäußert: Man müsste selbst gegen die Schuld etwas tun und eine Methode finden, mit der man das nächste Mal die Schuld vermeiden könnte. Er hat die Prokrastination als Beispiel angeführt. In dem Moment war ich besonders aufmerksam, weil es genau mein Problem ist. Auch viele andere lächelten. Jeder hasse Prokrastination, aber trotzdem machen die meisten nichts dagegen und prokrastinierten immer weiter, so der Priester. Er hat uns einen Ratschlag gegeben: Alle könnten im Lesesaal der Kirche zusammen studieren oder arbeiten. Auf diese Weise fällt es uns leichter, uns zu konzentrieren. Da klatschten fast alle Beifall.

Dieser Gottesdienst war völlig anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Daran lässt sich erkennen, dass die Kirchen im Verlaufe der Zeit auch versucht haben, sich der Zeit anzupassen und innovativ zu sein.

(Verfasserin: Germanistikstudentin des 3. Jahrgangs und gegenwärtig als Austauschstudentin an der Universität Heidelberg. Korrektur: C. H. Y. & G. O.)

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