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Lerntandem mit einer Japanerin in Heidelberg


04 February 2018 | By Jia Luo | SISU

Im deutschsprachigen Raum gilt die chinesische Sprache als besonders kompliziert und unverständlich, was in dem Spruch zum Ausdruck gebracht wird: Das ist ja für mich Chinesisch.

Trotz der Schwierigkeiten versuchen immer mehr Leute, Chinesisch zu lernen und die chinesische Kultur zu studieren, so wie eine japanische Freundin von mir. Sie heißt Sayaka und studiert jetzt an der Waseda-Universität, die ihr die Chance bietet, ein Auslandssemester an der Universität Heidelberg zu verbringen. In der Schulzeit hat Sayaka schon ein bisschen Chinesisch gelernt und kann noch etwas auf Chinesisch im Alltagsleben sagen, zum Beispiel „guten Tag“ oder „wo ist die Toilette“.

Obgleich ich Germanistikstudentin bin, interessiere ich mich jedoch schon immer auch für die japanische Subkultur und sorge mich um die japanisch-chinesischen Beziehungen, die meiner Meinung nach möglichst schnell verbessert werden müssten. Deshalb war ich begeistert, als Sayaka mir ein Lerntandem vorschlug, weil ich einerseits meine Kenntnisse über Japan vertiefen kann und andererseits ein positives Bild von China zeigen möchte. Ich finde es auch cool, auf Deutsch Chinesisch zu lehren und Japanisch zu lernen, denn so kann ich die deutsche Sprache wirklich anwenden. Gesagt, getan. Wir bildeten ein Tandem, treffen uns jetzt wöchentlich einmal und lernen voneinander.

Chinesisch zu lehren macht mir viel Spaß! Wir haben zuerst mit der Phonetik angefangen, was für Ausländer die erste große Schwierigkeit darstellt. Dabei habe ich oft die Aussprache vom Chinesischen mit dem Japanischen und Deutschen verglichen, um etwas Gemeinsames zu entdecken. Als ich meiner Tandempartnerin beispielsweise die Aussprache von „之(zhi“ beibringen wollte, die für sie echt schwer war, nannte ich das deutsche Wort „Quatsch“ als Beispiel. „Die Aussprache von ,tsch‘ ist ähnlich wie ,‘“, habe ich gesagt, „du kannst zuerst stark ausatmen, deine Zähne zusammenbeißen und dann noch mal versuchen, ,tsch‘ zu sagen. Dann kommt der Laut ganz automatisch heraus.“ Auf diese Art und Weise hat sie die chinesische Aussprache erlernt. Bei der Grammatik habe ich diese Methode ebenfalls angewandt. Ich glaube, dass es sehr gut funktioniert hat!

Das Tandem bietet mir zudem die Gelegenheit, meine Muttersprache von einer ganz neuen Perspektive zu betrachten. Sayaka hat mir gesagt, dass Chinesisch ihrer Meinung nach viele Ähnlichkeiten mit der deutschen Sprache hätte. „Chinesen und Deutschen stellen die Verben an den Anfang eines Satzes. Ich finde es sehr praktisch und auch sehr nett, weil man dadurch den Inhalt schneller begreifen kann. Aber auf Japanisch stehen die Verben immer ganz am Ende, was mir manchmal auf die Nerven geht“, hat mir Sayaka gesagt. Um ein Beispiel anzuführen: Sowohl in China als auch in Deutschland sagt man, „Ich esse einen leckeren Apfel“, aber auf Japanisch wird der Satz folgendermaßen gebaut: „(Ich) leckeren Apfel einen esse“. Das heißt, dass man bis zum Satzende warten muss, um den Satz richtig zu verstehen.

Da die japanischen Schriftzeichen aus dem Chinesischen stammen, konnte ich meiner Tandempartnerin auch erzählen, wie sich diese Zeichen im Laufe der Zeit verändert haben. Dazu habe ich Bücher gelesen und viel Neues und Interessantes über das Alt-Chinesische entdeckt. Wenn man seine eigene Muttersprache spricht oder schreibt, denkt man kaum an die Regeln. Aber jetzt, um die Sprache zu lehren, muss ich mich in die Lage eines Fremden versetzen und gewinne dabei neue Erkenntnisse. Da wir in dieser Lernpartnerschaft Deutsch gesprochen haben, haben wir beide das Gefühl, dass unsere deutschen Sprachkenntnisse ebenfalls besser geworden sind.

Ich liebe meine Muttersprache. Ich bin stolz darauf, dass ich eine der kompliziertesten, ältesten und lebendigsten Sprachen beherrsche. Und ich bin stolz, dass ich die Schönheit meiner Muttersprache vermitteln kann.

(Verfasserin: Germanistikstudentin des 3. Jahrgangs und gegenwärtig als Austauschstudentin an der Universität Heidelberg; Korrektur: C. H. Y. & G. O.)

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