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Ein Schuh im K150


01 March 2018 | By Cai Tingyu | SISU

In der Nacht, 8. September 2017. Ich stieg in den K150, den einzigen Direktzug von Zhanjiang, meiner Heimatstadt, nach Shanghai. Ein ganz veralteter Grünzug, sehr langsam. Gut 31 Stunden. Glücklicherweise hatte ich einen Schlafplatz bekommen, leider nicht das untere oder mittlere Bett, sondern das obere mit sehr wenig Platz. Nicht so komfortabel, aber besser als nichts.

Das Licht im Wagen war schon aus, und den engeren Flur entlang bin ich vorsichtig mit meinem Koffer im Dunkeln gelaufen und habe mit Hilfe des schwachen Mondlichtes, das durchs Fenster schien, mein Bett gefunden. Müde und erleichtert schob ich den Koffer unters Bett, zog meine schwarzen Stiefel mit hohen Absätzen aus und kletterte schnell auf mein Bett. Mir gegenüber schlief ein Mann vielleicht mittleren Alters, sein Schnarchen aber war so laut, als brause ein Sturmwind durch die Lüfte. Trotzdem bin ich kurz danach eingeschlafen.

Nächster Tag. Durch den Lärm geweckt, schaute ich auf die Uhr. Ach, schon 11 Uhr! Ich schaute hinunter: Auf dem unteren Bett aß eine Mutter mit ihrer süßen Tochter Ekiben zu Mittag. Die Kleine schien nicht so brav beim Essen zu sein, sie guckte umher. Mein Gegenüber saß am Fenster und genoss Instant-Nudeln. Weil ich nun auch großen Hunger hatte, stieg ich vom Bett hinunter und wollte etwas zum Essen finden.

Ich griff nach meinen Stiefeln. Au Backe! Wo war mein linker Schuh? Auf dem Bett sitzend guckte ich um mich auf dem Boden im Flur, sah aber nichts als einige Paar Schuhe von anderen Passagieren. Unter dem Bett? Nur Koffer. So ein Mist! Wohin ist mein Schuh gegangen? Hat jemand ihn versteckt? Nein, nein. Weggetreten? Könnte sein. Dann hüpfte ich den Flur entlang, nur auf meinem rechten Bein mit hohem Absatz, um den anderen Stiefel zu finden. Ich versuchte zwar ohne Aufsehen vorzugehen, aber das klang noch laut im Dröhnen von Gelächter und Rede. Das Mädchen richtete einen Finger auf mich und rief laut: „Mama, schau mal! Sie...“. Die Mutter hielt der Kleinen den Mund zu und sagte: „Sch! Iß mal!“. Nun stand ich im Mittelpunkt fast aller Fahrgäste. Sogar der Geschäftsmann, der ganz weit entfernt saß und ständig telefonierte, schaute mich an.

Länger als einen Augenblick stand ich ratlos und verlegen herum, bis ich den Entschluss fasste, mich erst mal zuerst zu waschen. Im Waschraum unter dem Waschtisch fand sich etwas Schwarzes.

Als ich ins Abteil zurückkam, war das Mädchen schon eingeschlafen. Mit seiner Puppe in den Händen.

 (Verfasserin: Germanistikstudentin des 3. Jahrgangs; Korrektur: David Wagner)

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