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In der U-Bahn


03 March 2018 | By Chen Xiaonan | SISU

Oft bin ich schon mit der U-Bahn Linie 9 gefahren, von Songjiang University-Town ins Stadtzentrum von Shanghai, und nach einem Tag voller Vergnügungen wieder zurück nach Songjiang. Und zwar sehr müde.

Die U-Bahn Linie 9 ist die einzige Linie, die von Shanghai aus nach Songjiang, der Vorstadt, hinaus fährt. Es gibt viele Studenten und viele junge Leute in Songjiang, die einen Job im Stadtzentrum haben und wegen der billigeren Miete in Songjiang wohnen. Deshalb ist die U-Bahn Linie 9 meist sehr voll.

Voll wie der Bauch eines Wolfs, der gerade gut gefressenen hat, und genau so ist es auch dieses Mal. Wenn die U-Bahn kommt und die Tür sich öffnet, steigen die Leute eilig aus, zu gleicher Zeit versuchen die Leute, die auf dem Bahnsteig warten, angestrengt in die U-Bahn einzusteigen, um einen Sitzplatz zu bekommen. Aber oft macht es keinen Sinn. Ich selber gehe in die U-Bahn Linie 9 aber ohne solche Eiligkeit. Erst wenn die Menschen schon darin sind, dann steige ich ein.

An jeder Seite des U-Bahn-Waggons steht eine lange blaue Bank aus Plastik, und parallel zur Bank gibt es in der Mitte einige Eisenrohre, die als Haltestangen dienen. Genau über der Bank ist ein großes Fenster in der Seitenwand. Wenn es dunkel ist, sieht man sein Spiegelbild auf der Scheibe.

Die Lampe in der U-Bahn ist immer an. Der Wind weht machmal sehr streng in der U-Bahn. Niemand weiß woher. Und die junge Frau vor mir schnürt ihre Kleidung ein bisschen enger.

Fast alle Menschen haben ihren Kopf gesenkt und gucken auf ihr Handy. Das Licht vom Handy leuchtet ihnen ins Gesicht. Manche Leute tragen ihre Tasche vor ihnen, um Diebstahl zu vermeiden.

Meistens spricht niemand, nur wenn zwei oder mehr Freunde zusammen die U-Bahn nehmen, sprechen sie anfänglich miteinander. Aber dann werden auch sie vom Schweigen durchdrungen und bleiben still.

Eigentlich sollte ich mein Taschenbuch heraus nehmen und die Lektüre genießen, aber weil ich schon sehr müde bin, macht mich das Lesen nur schwindlig. Ich leide ein bisschen an der U-Bahn-Krankheit. Mir wird leicht übel.

Die U-Bahn hat schon an vielen Stationen gehalten. Fahrgäste steigen aus, neue steigen ein. Ich werde immer weiter nach inner gedrängt. Endlich stehe ich genau in der Mitte zwischen zwei Bänken. Vor mir sitzt ein Ehepaar, die ich schon länger beobachtet habe.

Die beiden sind reiferen Alters. Die Frau hat kurze Haare und trägt eine Schultertasche am linken Arm. Der Mann ist kahl und auch ein bisschen dick. Er sitzt seiner Frau zur Rechten. Sie kuscheln sich immer wieder aneinander. Beide sehen sehr traurig aus. Manchmal wischt sich die Frau ihre Augen, und der Mann flüstert ihr etwas  ins Ohr.

Als ich das Ehepaar zuerst bemerkte, fühlte ich mich auch sehr traurig, als ob etwas Kleines wie Glas in mir zerbrochen wäre. Nun stehe ich gerade vor ihnen und kann meinen Blick nicht von ihnen abwenden. Mein Herz ist mit diesem Paar verbunden. Ich höre den Mann, „Habe keine Angst, alles wird bald in Ordung sein.“ Und er flüstert der Frau mehrmals ins Ohr. Inzwischen fließen Tränen aus den Augen der Frau. Ich kann nur einige unzusammenhängende Worte hören, „Krankheit“, „Liebe“ und „zusammen“……

„Krankheit“, dieses Wort ist sehr auffallend. Plötzlich verstehe ich: Die Frau leidet wahrscheinlich an einer schwer heilbaren Krankheit, und die Beiden sind verzweifelt, aber der Mann muss dennnoch optimistisch sein und seine Frau stützen.

Ich bin in diesem Moment sehr hilflos. Ob meine Vorstellung falsch oder richtig ist – das Leid dieses Paares wird sicher nicht leichter. Ich möchte etwas für sie tun, bin jedoch unfähig dazu. Ich erinnere mich an Gott. Von einer Freundin habe ich gehört, dass sie glücklich wird, wenn sie zu Gott betet. Ja, das kann ich auch tun. Ich bete für das Paar, ich bete zum christlichen Gott, zu buddhistischen Göttern, zu taoistischen Göttern, zu irgendeinem Gott, an den ich mich erinnern kann.

„Die Songjiang University-Town Station ist da. Steigen Sie durch die rechte Tür aus.“

Ich muss hier aussteigen und das Paar verlassen.

Ich sage zu mir selbst, “Eigentlich hat jeder sein eigenes Leben. Aber ich hoffe, es geht diesem Paar bald wieder besser.“

(Verfasser: Germanistikstudent des 3. Jahrgangs; Korrektur: David Wagner)

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