Presse Kontakt

SISU News Center, Office of Communications and Public Affairs

Tel : +86 (21) 3537 2378

Email : news@shisu.edu.cn

Address :550 Da Lian Straße (W), Shanghai 200083, China

Entsprechendes Lesen

Der Auszug


02 December 2018 | By Cai Tingyu | SISU

Ein neuer Zettel in meinem Briefkasten.

„Bitte vereinbaren Sie einen Termin für den Auszug mit dem Hausmeister bis zum 21. September und...“

Wie schnell die Zeit verging! Die erste Hälfte vom September war schon vorbei und der Tag der Rückreise nach China stand schon vor der Tür. Da musste ich schon Vorbereitungen für den Auszug aus dem Studentenwohnheim treffen.

Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich schon von einigen Freunden gehört, dass der Auszug in Deutschland oft nicht einfach war. Um die Kaution vom Studentenwerk zu bekommen, muss man zuvor zum Stadtwerk gehen und die Schlussrechnung für den Stromverbrauch bezahlen. Aber wichtiger und schwieriger ist, das Haus gründlich zu säubern. Das Zimmer sauber machen? Das klingt nicht schwer, aber in Wirklichkeit ist es gar keine leichte Aufgabe: Um eine Wohnung mit Schlafzimmer, Küche, Bad und WC von oben bis unten zu säubern, muss man auf alles – die Wände, die Fliesen, die Türen, das Fenster, den Fußboden, den Herd, den Kühlschrank und den Kleiderschrank, den Schreibtisch und das Regal, die Badewanne und sogar den Spiegel im Badezimmer aufpassen und nichts darf man außer Acht lassen.

Nachdem ich das Flugticket von Frankfurt nach China für 25. September gekauft hatte, ging ich ins Büro des Hausmeisters. Es wurde vereinbart, dass ich am 21. aus dem Wohnheim ausziehen würde. Aber zuvor sollte das Zimmer vom Hausmeister überprüft werden, ob alles in Ordnung war. Wenn nicht, könnte ich die Kaution teilweise nicht zurückbekommen und müsste vielleicht noch für Reinigung und Reparatur nachzahlen.

Ich hatte noch zwei Tage, um mich auf den Auszug vorzubereiten. Und ich fürchtete, dass die Zeit nicht ausreichen würde. Zu allem Überdruss waren der Herd und der Kühlschrank in meiner Küche gerade vor einem Tag kaputt gegangen. Da schaltete ich wie immer den Herd ein, um ein Spiegelei zum Frühstück zu braten. „Bum!“ Mit starkem Qualm war der Herd aus. Er funktionierte nicht mehr. Dann habe ich herausgefunden, dass der Kühlschrank darunter gleichzeitig kaputt ging. So ein Mist!

Ich ging zum Hausmeister. Jeden Wochentag blieb er von 8.00 bis 9.00 Uhr im Büro. Ich gab die Störungsmeldung bei ihm ab und versuchte, ihm alles noch mal mündlich zu erklären.

„Okay...ich hab’ Augen und kann selbst überprüfen.“ Er sah sehr beschäftigt aus und hatte noch tausende Störungsmeldungen auf dem Tisch zu lösen, „dann sag ich dir Bescheid, ob sie repariert werden können oder nicht.“

„Muss ich dafür bezahlen?“, fragte ich, ganz vorsichtig.

„Jetzt noch keine Ahnung. Wenn ich sie nicht reparieren kann, dann müsstest du schon zahlen.“

Ich bedankte mich bei ihm und ging mit großen Sorgen in mein Zimmer zurück. Ich entschied mich, das Zimmer möglichst leer zu räumen, bevor ich es sauber machte. Ich habe nur einige Dinge, die ich wirklich brauchte, im Zimmer gelassen, während alles andere eingepackt und ins Wohnheim meiner Freundin weggebracht wurde.

Am Donnerstagmorgen fing das Saubermachen an. Ich stand viel früher als sonst auf und begann mit dem Fenster. Als ich auf der Fensterbank saß, um das Fenster von außen zu putzen, hatte ich das Gefühl, als ob ich die Hauptfigur im Film „Die Spinne“ wäre. Spannend, gefährlich...sauber machen.

Dann die Küche, das Bad...Nachdem ich schließlich die Badewanne geputzt hatte, standen die Zeiger auf zwei Uhr nachts. Es war schon Freitag. In sieben Stunden würde der Hausmeister kommen und kontrollieren. Ich schaute mich um und machte mir dennoch Sorgen, ob meine Arbeit den Erwartungen des Hausmeisters entsprach. Aber vor Erschöpfung konnte ich nicht mehr weiter und bin schnell eingeschlafen.

Nächster Tag. Es war 8.00 Uhr. Gottseidank! Ich habe nicht verschlafen, obwohl ich den Wecker nicht gestellt hatte. Ich habe das Fenster noch mal geputzt, falls es über Nacht schmutzig geworden ist. Die Wände? Kein Problem. Die Fliesen? Makellos. Die Küche? Sauber mit einem angenehmen Duft. Ich habe den Kühlschrank sogar mit Raumspray gereinigt.

Der Hausmeister kam. Er trat ins Zimmer ein. „Küche...hier, den Herd, du solltest ihn mit mehr Reinigungsmittel putzen...die Tür, noch Fett da oben. Hast du das bemerkt? Mehr Putzmittel, okay?“ Er bückte sich im Bad und tastete den Fußboden in der Ecke unter dem Waschbecken, „und hier, noch ein bisschen schmutzig.“

Ich folgte ihm und hörte zu. Vor Scham wollte ich sogar in die Erde versinken. Ja, ich hatte doch alles, was er erwähnt hat, beachtet und gesäubert. Aber wirklich auf jedes Detail aufgepasst? Vielleicht nicht.

„Ich werde in einer Stunde noch mal kommen und kontrollieren“, sagte er und ging weg.

Das war meine zweite und auch letzte Chance. Am nächsten Tag war das Wochenende und am folgenden Montag müsste ich Bayreuth schon verlassen haben. Wenn ich noch mal vom Hausmeister hörte, „leider geht das nicht“, würde der Auszug auf nächste Woche verschoben werden...

Eine Stunde verging sehr schnell. Während ich den Fußboden im Bad zum dritten, vielleicht schon zum vierten Mal putzte, hörte ich Schritte im Treppenhaus.

Da versuchte ich noch mal, den Fußboden zu säubern. Die Schritte kamen näher. Da erinnerte ich mich plötzlich an einen Namen, den ich in einem Buch gelesen hatte: Azrael, Malik al-Maut. In der Mythologie ist er der Engel des Todes. Er trägt die Namen der Neugeborenen ein und streicht die Namen der Verstorbenen von der Liste. Er soll zwei Gesichter haben, eine hässliche Grimasse und ein wunderschönes Antlitz zugleich. Denjenigen, die ins Paradies gehen, zeigt er sein schönes Gesicht und den anderen den Kopf eines Ghuls.

Ich wurde unterbrochen.

„Okay, alles passt. Und mach dir auch keine Sorgen um die Reparatur. Hier ist der Zettel...“

Den Rest habe ich eigentlich nicht mehr so klar gehört.

(Verfasserin: Germanistikstudentin des 4. Jahrgangs; Korrektur: C. H. Y. & C. A.)

Teilen:

Presse Kontakt

SISU News Center, Office of Communications and Public Affairs

Tel : +86 (21) 3537 2378

Email : news@shisu.edu.cn

Address :550 Da Lian Straße (W), Shanghai 200083, China

Entsprechendes Lesen