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Einführung in den Lyrikgesang


09 December 2018 | By Zheng Siwei | SISU

Am vierten Dienstag im Oktober, einem kalten Tag, hatte ich die erste Sitzung des Kurses Sprache und Kultur des deutschen Mittelalters“ als Einführung in die ältere deutsche Philologie.

Es war kurz vor 12 Uhr. Es dauerte wegen des deutschen akademischen Viertels noch 15 Minuten, bis der Unterricht begann.

Ich saß in der dritten Reihe neben einem deutschen Studenten. Es ist ein großer Seminarraum, aber noch nicht groß genug für diesen beliebten Kurs. Je näher die Zeit rückte, umso mehr Studenten kamen ins Zimmer. Manche mussten sogar einfach an der Wand stehen.

Bevor ich diesen Kurs besucht habe, hatte ich mir viele Fragen gestellt. Wie sieht Mittelhochdeutsch aus? Schrieb man damals mit dem Federkiel auf das Pergament? Und wer unterrichtet uns? Wird der Kurs zu schwer oder langweilig sein? Dann sah ich Herrn Dr. Wagner. Er trug einen dunkelblauen Anzug und eine helle Krawatte. Er sah so elegant aus, wie ich gedacht habe, wie ein Adliger des Mittelalters aussehen soll. „Ich habe Musik studiert“, so er. Kein Wunder, dass er wie ein Musiker, wie ein Künstler aussah.

Herr Wagner hat uns zwei gut erhaltene Handschriften vorgestellt. Ich freute mich sehr, die schöne Schrift und das uralte Papier zu sehen. Sogar durften wir die Reproduktionen, die Dr. Wagner mit in den Kurs gebracht hat, anfassen.

Was Herr Wagner anschließend machte, erntete viel Applaus. Er nahm seine Quinterne (oder Quinterna, birnenförmiges Zupfinstrument vom 14. bis zum 17. Jahrhundert, kleiner als die Laute) heraus und spielte das erste Lied vom Nibelungenlied vor

„Uns ist in alten mæren wunders vil geseit

von helden lobebæren, von grôzer arebeit,

von fröuden hôchgezîten, von weinen und von klagen,

von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen...“

Nach der Aufführung fragte er eine Studentin, was sie aus dem Lied gehört hat. Ein Mädchen trifft einen jungen Mann, so die Antwort. Alle lachten.

Ich lächelte und schaute durchs Fenster hinaus. Die Sonne schien. „Uns ist in alten mæren wunders vil geseit...

(Verfasserin: Germanistikstudentin des 3. Jahrgangs und gegenwärtig als Austauschstudentin an der Universität Bayreuth; Korrektur: C. H. Y. & G. O.)

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