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Entsprechendes Lesen

Internationale Konferenz „Mission als transkulturelles und transnationales Phänomen“


 

Mission ist ein Begriff, der zunächst in den religiösen Bereich gehört, aber sich bezüglich des Einflusses, der Funktion und der Folgen keinesfalls ausschließlich auf Religion beschränken lässt. Retrospektiv führte die Mission zu Begegnungen verschiedener Kontinente bzw. Kulturen und Religionen. Historisch betrachtet fanden solche Begegnungen oft unter friedlichen Bedingungen statt. So initiierten buddhistische Mönche vor fast 2000 Jahren einen Kulturaustausch zwischen Indien und China, der die Weltgeschichte seitdem erheblich geprägt hat, ohne dass es jemals einen militärischen Konflikt zwischen diesen beiden Zivilisationen gegeben hätte. Ähnliches gilt für China und Persien, das Herkunftsland der ersten christlichen Mönche in China. Einer der wichtigen Akteure auf diesem Feld war seit der Antike Europa bei der Verbreitung des Christentums.

Die Verbindung von Mission und kolonialer Unterwerfung stellt historisch einen besonderen Fall dar. Sie konzentriert sich vor allem auf die Zeit vom 16. bis zur ersten Hälfte des 20. Jh. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. haben sich die Geisteswissenschaften vor allem mit diesem Aspekt auseinandergesetzt. Mission wurde dabei unterschiedlich bzw. kontrovers definiert, interpretiert und erforscht. Sowohl die aus den von Kolonialismus und Imperialismus betroffenen Regionen als auch westliche Forscher haben die Verwicklung von Religion mit militärischer Invasion, imperialer Expansion und wirtschaftlicher Ausbeutung kritisch analysiert. Stärker kontrovers wird der Zusammenhang von Mission und Modernisierung diskutiert – in Abhängigkeit davon, ob Moderne als das einseitig europäische Projekt oder als ein Projekt vielfältiger Ausformungen durch verschiedenste Akteure verstanden wird.

Seit dem Beginn des 21. Jh. richtet sich die Aufmerksamkeit der Missionsforschung zunehmend auf die breitere und allgemeinere Frage des Kulturaustausches. Man versteht heute die Mission als eines der wichtigsten transkulturellen und transnationalen Phänomene. Dies lässt uns nicht nur die Rolle von Missionaren betrachten, sondern auch den Beitrag von einheimischen Menschen, wobei die kulturellen Impulse vom Außen in die neuen Formen übersetzt werden, die sich den lokalen Bedingungen anpassen. Der Kulturaustausch vollzieht sich immer in einem reziproken Prozess. Dies betrifft inzwischen die Vermittlung von Sprachen und Literatur, die Bildung, das Gesundheitswesen und die Wissenschaft, die kulturelle Paradigmen usw. Die Mission bedeutet einen Austausch von Wertvorstellungen, dessen Wirkungen weit über die Übernahme von religiösen Praktiken hinausgehen. Die globale Verbreitung, sowie Kritik an westlicher Weltsicht bzw. politischen Modellen, bleibt in gewissem Maße durch den religiös motivierten Kulturaustausch angestoßen.

Das Thema von Mission und kulturellem Austausch hat unterschiedliche wissenschaftliche Tiefendimensionen bzw. wird aus mehreren Perspektiven untersucht. Die ambivalenten Folgen solcher Austauschbeziehungen sind nach Jahrhunderten immer noch zu spüren. Sie prägen gesellschaftliche Entwicklungen bis heute und darüber hinaus. Gerade auch angesichts der gegenwärtigen Probleme, die durch negative Folgen der Begegnungen von verschiedenen Kulturen verursacht wurden, ist es sinnvoll, dass wir uns neu mit dem Thema „Mission“ beschäftigen.

In diesem Sinne veranstalten die Germanistische Fakultät der Shanghai International Studies University, das Deutsche Historische Institut in Moskau und die Theologische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin gemeinsam die internationale Konferenz „Mission als transkulturelles und transnationales Phänomen“, die im April 2018 an der Shanghai International Studies University stattfindet. Themenbereiche der Konferenz sind:

1. Theorie, Perspektive und Methode der Missionsforschung

2. Mission, </