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Entsprechendes Lesen
Mein Leben in Heidelberg
29 March 2026 | By Han Weihong | SISU
Als ich in Deutschland ankam und durch die Passkontrolle ging, fragte mich der Beamte: „Wohin gehen Sie?“
Ich antwortete: „Nach Heidelberg.“
Er sagte: „Ach, Heidelberg! Schöne Stadt!“
Er hatte Recht. Heidelberg ist wirklich wunderschön, besonders bei gutem Wetter. Im Winter ist es leider nicht immer heiter. Ehrlich gesagt, man hat nur an wenigen Tagen richtig Glück mit der Sonne.
Eine unvergessliche Erfahrung hatte ich im Geschichtsunterricht am Abend. Nach einer 15-minütigen Pause kam der Lehrer zurück und fragte uns: „Haben Sie nach draußen geschaut? Ich empfehle Ihnen dringend, jetzt mal in den Raum gegenüber zu gehen. So ist Heidelberg! Ich warte hier auf Sie.“
So gingen wir in den Raum gegenüber und schauten aus dem Fenster, dessen Rahmen wie ein Bilderrahmen wirkte. Die Aussicht war herrlich wie ein Gemälde mit satten, kräftigen Farben. Ich war überrascht und dankbar, dass der Lehrer uns während der Unterrichtszeit die Natur genießen ließ.
Das erinnerte mich an eine ähnliche Erfahrung zuvor. Wegen des Visumsproblems kam ich mit meinen Studienkolleginnen zu spät zum Sprachkurs. Wir bekamen eine Liste mit allen wichtigen Informationen, die wir verpasst hatten. Mitten auf der Liste befand sich ein Hinweis: „Spezielles ‚Highlight‘ in Heidelberg am Samstag; unbedingt schon am frühen Abend hingehen, um einen guten Platz zu bekommen! Beste Sicht auf das Feuerwerk gibt es vom Philosophenweg aus!“ Ja, das Leben zu genießen, ist genauso wichtig wie alle anderen „ernsten Dinge“ – Kurszeiten, Unterrichtsort und ECTS-Punkte.
Auch meine italienische Mitbewohnerin und meine Kommilitonen nehmen die Sonne sehr ernst. Sobald die Wettervorhersage Sonne für den nächsten Tag ankündigte, organisierten sie sofort einen Ausflug, egal wie voll der Terminkalender war.
Apropos, meine Mitbewohnerinnen: Ich wohnte in einer WG mit zwei Deutschen und einer Italienerin. Manche sagen: „Oh, du wohnst mit Deutschen, da kannst du mit ihnen Deutsch üben!“
Leider war es aber anders.
Man bekam die deutschen Mitbewohnerinnen fast nie zu Gesicht. Man kochte in der Küche, ging zurück ins Zimmer, und erst dann hörte man, dass die Mitbewohnerinnen rauskamen. Sie warteten wohl, bis niemand draußen war, bevor sie sich bewegten. Oft wusste ich gar nicht, ob sie überhaupt zu Hause waren.
Aber die Italienerin war anders. Wenn sie nach Hause kam, rief sie laut: „CIAOOOO! HALLOOOOOO!“ Deshalb unterhielt ich mich meistens nur mit ihr. Ihr Englisch war nicht so gut. Glücklicherweise war unser Deutsch auch nicht gut genug. So sprachen wir überhaupt Denglisch mit Körpersprache. Zum Beispiel kannten wir beide das Wort „Staubsauger“ nicht. Also fragte ich: „May I borrow the wuwuwuwu?“
Und sie antwortete: „Yes, of course you can use wuwuwuwu!“
Super, dass wir uns so gut verstanden haben!
Und die Deutschen nahmen das Thema Veganismus sehr ernst. Zusammen mit meinen Mitbewohnerinnen lernte ich drei Deutsche kennen, und zwei von ihnen leben vegan. Auf jeder Speisekarte war jedes Gericht makiert, ob es vegan war. In der Mensa waren jede Woche zwei oder drei Tage „Vegan Days“, obwohl es normalerweise schon ein wenig Fleisch gab. Deshalb war jeden Tag in der WeChat-Gruppe ein Update zu lesen, ob es an dem Tag in der Mensa Fleisch gab und was für Fleisch.
Das Essen in der Mensa war sowieso wie ein Glücksspiel. Wenn man Glück hatte, gab es Mantou. Man konnte jedoch auch Pech haben und bekam Reis mit Kokosraspeln. Mir wurde erzählt, dass es früher mal Schokoladen-Baozi gab.
Einmal machte ich mit meinen Studienkolleginnen einen Ausflug nach Seiffen, das berühmt für seine Holzkunst ist. Überall waren süße Holzschnitzereien. Alles war perfekt, bis wir zurückfahren wollten. Google Maps war falsch. Der Fahrplan an der Haltestelle war auch falsch. Es fuhren nur drei Busse am Tag, und man hatte sogar angefangen, die Straßen zu sperren, wegen des Weihnachtsmarkts.
Am Ende half uns die Tourist-Information. Die Mitarbeiterin holte einen „echten“ Fahrplan und eine gedruckte Stadtkarte hervor. Ganz altmodisch. Ich habe schon lange keine Karten wie diese benutzt. Wir mussten 40 Minuten durch die Natur wandern, um eine Haltestelle in einer anderen Stadt zu erreichen. Damals hatten wir große Angst, weil die Straßen erst eine Woche später wieder freigegeben werden sollten. Aber rückblickend war es ein lustiges Abenteuer.
Zusammenfassend ist es eine sehr wertvolle Erfahrung. Man lebt in der Kultur und erlebt die Kultur. Man fühlt im Alltag die Sprache. Dieser direkte Kontakt gab und gibt mir die größte Motivation, Deutsch zu lernen. Nur wenn man wirklich kommunizieren möchte, hat man mehr Motivation, die Sprache zu lernen.
(Die Verfasserin ist Germanistikstudentin des 3. Jahrgangs und absolvierte vom Oktober 2025 bis zum März 2026 ein Auslandssemester an der Universität Heidelberg.)
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