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Vom Klassenzimmer zum Arbeitsplatz: Der berufliche Weg eines Absolventen der dualen Ausbildung
24 August 2026 | By Xu Yiwen | SISU
In China spielt der Bildungsabschluss traditionell eine wichtige Rolle für den persönlichen Werdegang. Für viele Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien gelten der Besuch der Oberschule und anschließend ein Studium als Königweg zur Sicherung von besseren beruflichen Chancen.
In Deutschland gibt es dagegen neben dem akademischen Bildungsweg auch ein etabliertes System der dualen Berufsbildung. Sie verbindet zwei Lernorte, nämlich die Berufsschule und den Ausbildungsbetrieb, miteinander. In der Schule lernen die Auszubildenden theoretische Inhalte, und im Betrieb sammeln sie praktische Erfahrungen. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie einen staatlich anerkannten Berufsabschluss.
Die duale Berufsbildung stößt in China aber immer noch auf Missverständnisse. Hat man damit weniger Möglichkeiten als im Studium? Kann eine berufliche Ausbildung langfristige Entwicklungschancen bieten? Diese Fragen lassen sich wohl durch persönliche Erfahrungen besser verstehen.
In diesem Interview berichtet Herr Li über seinen persönlichen Weg. Er kam im Alter von 17 Jahren aus China nach Deutschland, durchlief zunächst das deutsche Schulsystem und entschied sich anschließend für eine duale Ausbildung als Mechatroniker am Frankfurter Flughafen. Heute hat er seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, arbeitet weiterhin in diesem Bereich und verfügt inzwischen über eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis in Deutschland.
Von seinen ersten Erfahrungen mit der deutschen Sprache über die Entscheidung für die duale Ausbildung bis hin zu seiner beruflichen Entwicklung berichtete Herr Li, wie dieser Bildungsweg seinen persönlichen und beruflichen Werdegang geprägt hat.
Herr Li, wann sind Sie nach Deutschland gekommen? Warum haben Sie sich entschieden, Ihre Ausbildung in Deutschland fortzusetzen? Können Sie das kurz vorstellen?
Ich bin 2017 aus familiären Gründen nach Deutschland gekommen. Nachdem ich nach Deutschland gekommen war, habe ich zuerst Deutsch gelernt. Danach habe ich die Hauptschule besucht und anschließend die Realschule.
Warum haben Sie damals von der Hauptschule zur Realschule gewechselt? Wenn ich mich richtig erinnere, dauert die Hauptschule normalerweise fünf Jahre und die Realschule sechs Jahre, oder?
Eigentlich habe ich nicht die komplette Hauptschule und Realschule durchlaufen. Ich habe zuerst zwei Jahre die Hauptschule besucht und den Hauptschulabschluss gemacht. Danach bin ich auf eine Art Abendschule gegangen, aber ich habe immer tagsüber Unterricht wie an einer normalen Schule. Dort habe ich noch zwei Jahre gelernt und anschließend den Realschulabschluss gemacht.
Wie alt waren Sie, als Sie 2017 nach Deutschland gekommen sind? Hatten Sie damals schon Deutschkenntnisse? Wie haben Sie am Anfang Deutsch gelernt?
Als ich nach Deutschland gekommen bin, war ich 17 Jahre alt. Ich hatte keine Deutschkenntnisse. Damals habe ich Deutsch hauptsächlich in der Schule gelernt und zusätzlich ein Grammatikbuch gekauft.
War es am Anfang schwierig, dem Unterricht auf Deutsch zu folgen?
Ja, die Lehrer haben damals nur auf Deutsch unterrichtet. Am Anfang habe ich wirklich gar nichts verstanden. Ich lernte wirklich sehr langsam und habe dabei Google-Übersetzer benutzt. Ich hatte am Anfang beim Lesen jedes Wort im Wörterbuch nachgeschlagen und die chinesische Bedeutung daneben geschrieben.
Wie lange hat es ungefähr gedauert, bis Sie im Alltag mit Mitschülern normal kommunizieren konnten?
Ich glaube, es hat ungefähr ein Jahr gedauert. Ich bin eher zurückhaltend, deshalb habe ich auch erst später angefangen, mit Mitschülern Kontakt aufzunehmen.
Sie haben gesagt, dass Sie mit 17 Jahren nach Deutschland gekommen sind. Zu diesem Zeitpunkt hatten Sie in China wahrscheinlich schon die Aufnahmeprüfung für die weiterführende Schule hinter sich. Haben Sie in China damals eine normale Oberstufe besucht oder eine Berufsschule?
In China war ich damals in einer Oberstufe.
Sie haben also Erfahrungen mit den beiden Bildungssystemen gesammelt. Welche Unterschiede zwischen dem chinesischen und deutschen Bildungssystem haben Sie erlebt?
Ich finde, dass es zwischen Deutschland und China große Unterschiede im Bildungssystem gibt. In Deutschland kümmern sich die Lehrer nicht so sehr darum, ob man ständig lernt oder immer gute Noten bekommt, wie es oft in China der Fall ist. Hier muss man viel selbstständiger lernen und Eigeninitiative zeigen.
Viele chinesische Familien legen großen Wert auf ein Studium. Warum haben Sie sich trotzdem für eine duale Ausbildung entschieden?
Ja, das stimmt. In China legen viele Familien sehr viel Wert auf die Universitätsbildung und auf den Abschluss. Meiner persönlichen Meinung nach bedeutet ein Abschluss noch gar nichts. In der heutigen Gesellschaft ist ein Abschluss nur ein Stück Papier. Viel wichtiger ist es, dass man wirklich eine Fähigkeit oder einen Beruf erlernt und praktische Kenntnisse besitzt.
Haben Sie damals mit Ihren Eltern darüber gesprochen, dass Sie eine duale Ausbildung machen möchten? Obwohl Sie schon in Deutschland waren, wissen wir ja, dass viele chinesische Eltern immer noch großen Wert auf ein Studium und einen akademischen Abschluss legen. Wie haben Ihre Eltern auf Ihre Entscheidung für die duale Ausbildung reagiert? Waren Sie anderer Meinung oder gab es da kleine Konflikte?
Eigentlich gab es in diesem Punkt keine Probleme mit meinen Eltern. Sie waren der Meinung, dass jeder seinen eigenen Weg wählen muss. Deshalb haben sie meine Entscheidung immer unterstützt.
Warum haben Sie sich für Mechatronik entschieden? Hatten Sie vorher schon Erfahrungen in diesem Bereich?
Vor der Ausbildung hatte ich eigentlich keine Erfahrung in diesem Bereich. Ich habe mich aber schon als Kind gerne mit praktischen Dingen beschäftigt und oft Sachen auseinandergebaut und wieder zusammengesetzt.
Bei der dualen Ausbildung braucht man einen Ausbildungsvertrag. Wie sind Sie zu diesem Ausbildungsbetrieb gekommen?
Damals habe ich auf der offiziellen Website des Frankfurter Flughafens gelesen, dass dort Ausbildungsplätze angeboten werden.
Haben Sie diese Ausbildungsstelle auf der Website selbst gefunden, oder haben Ihnen die Lehrer geholfen und zum Beispiel bestimmte Unternehmen empfohlen?
Vor meinem Realschulabschluss gab es einen Lehrer, der mit uns darüber gesprochen hat, was wir nach der Schule machen wollten – ob wir weiter zur Schule gehen oder eine Ausbildung anfangen wollen. Wenn man sich für eine Ausbildung entschieden hat, hat er uns auch einige Unternehmen oder Möglichkeiten empfohlen. Den Flughafen habe ich aber selbst gefunden und dann einfach eine Bewerbung geschickt. Damals hat der Lehrer mich sogar ein bisschen kritisiert, weil man in Deutschland normalerweise mehr als eine Bewerbung schreibt. Man muss oft viele Bewerbungen verschicken, und man bekommt vielleicht nur von ein oder zwei Unternehmen eine Rückmeldung.
Welche Schritte gibt es von der Bewerbung bis zum Vertragsabschluss?
Vom Bewerben bis zur Vertragsunterschrift gibt es mehrere Schritte. Zuerst schickt man die Bewerbung mit dem Lebenslauf ab. Danach macht man einen Einstellungstest. Wenn man den besteht, wird man zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wenn auch das Vorstellungsgespräch gut läuft, muss man noch zur betriebsärztlichen Untersuchung. Erst wenn man alle drei Schritte erfolgreich geschafft hat, kann man den Vertrag unterschreiben.
Wissen Sie noch, wie viele Bewerber es damals ungefähr gab? Und wie viele wurden am Ende tatsächlich aufgenommen?
In unserem Jahr hat der Flughafen insgesamt mehr als 3.000 Bewerbungen für alle Ausbildungsberufe erhalten. Am Ende wurden insgesamt 108 Personen aufgenommen, also ungefähr 3 Prozent.
Wie war Ihr erster Eindruck, als Sie als Auszubildender in den Betrieb gekommen sind?
Als ich zum ersten Mal in den Betrieb gekommen bin, war ich auf alles sehr neugierig. Damals hatte ich noch keine Erfahrung im Bereich Mechatronik. Deshalb fand ich es sehr interessant, viele Geräte und Werkzeuge zu sehen, die ich vorher noch nie gesehen hatte.
Wie sah Ihr Wochenplan während der Ausbildung aus? Z. B. wie viel Zeit verbrachten Sie im Betrieb und in der Berufsschule? Gab es besondere Lernphasen oder Prüfungsvorbereitungen?
Bei unserer Firma ist die Ausbildung vielleicht etwas anders als bei anderen Betrieben. Manche Unternehmen haben das Modell, dass man drei Tage in der Berufsschule die Theorien lernt und zwei Tage im Betrieb praktisch arbeitet. Bei uns ist es so, dass man zwei Wochen in der Berufsschule die theoretischen Kenntnisse lernt und danach vier Wochen im Betrieb praktische Erfahrungen sammelt.
Hat Ihnen dieses Modell gut gefallen?
Ja. Im Vergleich zum klassischen 3+2-Modell gefällt mir unser 2+4-Modell besser. Dadurch kann man sich länger auf die Theorien konzentrieren und danach die praktischen Inhalte im Betrieb besser anwenden. Ich finde, dass man so effektiver lernen kann.
Welche Inhalte lernt man in der Ausbildung zum Mechatroniker? Welche Kurse gehören dazu? Und gibt es ein Fach, das Ihnen besonders gut gefällt?
Die Ausbildung ist sehr vielfältig. Im ersten Ausbildungsjahr hatten wir zum Beispiel Kurse wie Metallbearbeitung, Pneumatik, Elektropneumatik, Hydraulik, Schweißen, SPS, Elektroinstallation und Steuerungstechnik. Persönlich interessiere ich mich besonders für SPS- und CNC-Programmierung.
Wie werden Auszubildende im Unternehmen ausgebildet?
Bei unserer Firma werden alle Auszubildenden in verschiedene Abteilungen eingeteilt. In jeder Abteilung bleiben wir ungefähr sechs Wochen und danach wechseln wir in die nächste Abteilung. Während dieser sechs Wochen arbeiten wir mit den Kollegen in der Abteilung zusammen und lernen die täglichen Aufgaben und Arbeitsabläufe kennen. Ab dem dritten Ausbildungsjahr kann man, wenn man eine Abteilung gefunden hat, die einem besonders gefällt, einen Antrag stellen, dort bis zum Ende der Ausbildung zu bleiben.
Gab es einen festen Ausbilder? Durften Sie an echten Projekten teilnehmen?
Wir haben feste Ansprechspartner in der Ausbildung. Natürlich können wir an verschiedenen Projekten teilnehmen. Ich persönlich habe schon im ersten Ausbildungsjahr an mehreren Projekten mitgearbeitet. Zum Beispiel habe ich damals Teile für die Fluggastbrücken am Terminal 2 des Frankfurter Flughafens angefertigt. Dafür musste ich die Teile genau nach den Maßen der Zeichnung herstellen. Es gab hohe Anforderungen an Genauigkeit, also mit einer Toleranz von nur 0,1 Millimetern.
Für mich als Studentin aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich stellt Ihr Beruf große technische Herausforderungen dar. Welche Arten von Teilen oder Aufgaben dürfen Auszubildende am Anfang selbst übernehmen? Hat das Unternehmen keine Sorgen, dass Anfänger aufgrund fehlender Erfahrung Fehler machen oder viele fehlerhafte Teile produzieren? Hatten Sie damals als Auszubildender auch Angst davor, etwas falsch zu machen oder nicht gut genug zu machen?
Eigentlich hat eine Ausbildung keine so hohe Einstiegshürde. Wenn man schon alles könnte, müsste man ja keine Ausbildung mehr machen. Sehen Sie mal hier. Dieses Modell haben wir damals nach den Grundlagenkursen am Flughafen selbst gebaut. Jeder musste nach der Zeichnung ein eigenes pneumatisches Modell anfertigen. Alle Teile mussten wir selbst herstellen. Danach haben die Ausbilder mit professionellen Messgeräten überprüft, wie viel Druck das Modell mindestens braucht, damit es funktioniert. Natürlich werden die Teile, die wir herstellen, danach noch einmal kontrolliert. Unser Unternehmen geht in diesem Bereich sehr gut mit den Auszubildenden um. Sie wissen, dass praktische Erfahrungen auch zum Lernen gehören. Dass dabei manchmal Material verschwendet wird oder Fehler entstehen, ist ganz normal.
Inwiefern hat die duale Ausbildung Sie geprägt? Gibt es Veränderungen?
Die Ausbildung hat mich sehr viel verändert. Zuerst habe ich dadurch das deutsche Bildungssystem und den deutschen Handwerksgeist besser kennengelernt. Während der Ausbildung in Mechatronik habe ich außerdem gelernt, geduldiger zu sein und genauer und sorgfältiger zu arbeiten.
Haben Sie Freunde oder Mitschüler, die sich für ein Studium entschieden haben? Wie unterscheiden sich ihre Wege von Ihrem?
Natürlich habe ich auch viele Freunde, die studieren. Der Weg über ein Studium und der Weg über eine Ausbildung sind natürlich unterschiedlich. Meiner Meinung nach bedeutet ein abgeschlossenes Studium aber nicht automatisch, dass man direkt im Unternehmen arbeiten und das theoretische Wissen in der Praxis anwenden kann. Bei einer Ausbildung lernt man dagegen direkt im Betrieb und sammelt gleichzeitig praktische Erfahrungen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung kann man sich meistens schneller in den Arbeitsalltag des Unternehmens integrieren.
Hat die duale Ausbildung Ihre Entfaltungsmöglichkeiten begrenzt oder hat sie Ihnen neue Chancen eröffnet? Ist man danach hauptsächlich auf den erlernten Beruf beschränkt oder gibt es auch andere Entwicklungsmöglichkeiten?
Meiner Meinung nach schränkt eine Ausbildung die Zukunft nicht ein. Im Gegenteil, sie eröffnet einem eher einen neuen Weg und bietet viele Möglichkeiten für die weitere Entwicklung.
Sie haben gesagt, dass die duale Ausbildung für Sie einen neuen Weg eröffnet hat. Können Sie das genauer erklären? Denn Ihre heutige Arbeit hängt ja auch mit Ihrer Ausbildung zusammen. Wenn Sie von einem „neuen Weg“ sprechen, meinen Sie damit vielleicht nicht unbedingt einen komplett anderen Beruf, sondern eher eine andere Möglichkeit, sich zu entwickeln?
Ich denke, wenn man zum Beispiel Mechatronik lernt, lernt man nicht nur technische Fähigkeiten. Während dieser Ausbildung verändert man sich auch persönlich, zum Beispiel die eigene Persönlichkeit. In diesem Beruf kommt es sehr auf Genauigkeit und Präzision an. Zum Beispiel mussten wir damals beim Feilen von Werkstücken lernen, eine vollkommen ebene Fläche herzustellen. Manchmal sieht etwas mit bloßem Auge gerade und eben aus, aber wenn man es mit einem Messgerät überprüft, merkt man, dass es noch nicht präzise genug ist.
Wenn Sie heute zurückblicken: Bereuen Sie Ihre Entscheidung für die duale Ausbildung?
Wenn ich heute zurückblicke, würde ich mich immer noch für eine Ausbildung entscheiden.
Warum denn das?
Vor allem kommt es auf das eigene Interesse an. Man sollte nicht eine duale Ausbildung machen, weil andere sagen, dass sie sehr gut ist. Denn auch wenn der Weg derselbe ist, sind die Menschen unterschiedlich, und am Ende kann das Ergebnis ganz anders sein. Aber insgesamt bin ich mit meiner heutigen Situation sehr zufrieden.
Vielen Dank für Ihr Zeit! Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg im Beruf.
(Interviewerin: Germanistikstudentin des 4. Jahrgangs)
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