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He Fengshan: Mit jedem ausgestellten Visum wurde ein Leben gerettet
25 September 2016 | By Chen Hongyan/ Guo Junrong | SISU
He Fengshan, der während des Zweiten Weltkriegs als chinesischer Generalkonsul in Wien tätig war, hat tausende Juden vor der Verfolgung durch Nazideutschland dadurch gerettet, dass er für sie Visa nach Shanghai ausstellte. Mehr als 4.000 Juden konnten Wien, bzw. Österreich verlassen. Als „Schindler Chinas“ wurde er von der israelischen Regierung als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Durch die Verfilmung von Schindlers Liste ist Oskar Schindler, ein deutscher Unternehmer, auf der Welt fast ein fester Begriff geworden, mit dem man auf die tatkräftigen Hilfeleistungen gegenüber den jüdischen Verfolgten hinweist. Gerade in diesem Sinne kann man He Fengshan, den chinesischen Generalkonsul in Wien während des Zweiten Weltkriegs, als „Schindler Chinas“ bezeichnen, der während seiner Amtszeit trotz des hohen Drucks seitens der Naziherrschaft Juden half, indem er für sie Visa nach Shanghai ausstellte. Damit konnten tausende Juden aus dem Griff des Todes entkommen.

He Fengshan wurde im Jahr 1901 in Yiyang (益阳) in der Provinz Hunan als Sohn eines Bauern geboren. Nachdem er sein Studium an der Universität Yali (雅礼大学) in Changsha abgeschlossen hatte, konnte er 1926 mit einem Stipendium der chinesischen Regierung sein Studium an der Universität München fortsetzen. Dort promovierte er 1932 zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Von 1938 bis 1940 war er als Generalkonsul in Wien tätig. In dieser Zeit stellte er für etwa 4000 Juden ein Visum nach Shanghai aus.

Als He Fengshan zum Generalkonsul in Wien ernannt wurde, zogen sich über dem politischen Horizont von Europa schon schwere kriegerische Wolken zusammen. Neben der Verfolgung und Ermordung von politisch Andersdenkenden ergriff Nazideutschland vor allem Gewaltmaßnahmen gegen Juden. Damals lebten in Österreich 180.000 Juden. Nachdem Österreich im Jahr 1938 Teil des Deutschen Reichs geworden war, wurde das Land von der Welle des Antisemitismus überschwappt. Um alle Juden im deutschen Machtbereich mit Stumpf und Stiel auszurotten, beschloss Nazideutschland, die in Österreich lebenden Juden zu vernichten. Der einzige Weg fürs Überleben und Weiterleben war, Österreich zu verlassen, weshalb die Juden alles versuchten, das zu realisieren.

Nur mit einem Visum des Ziellandes und einem gültigen Ticket durfte man ausreisen. Aus Furcht vor der Naziherrschaft oder wegen der jämmerlichen Situation im eigenen Land waren viele Länder nicht willig, einen Rettungskanal für Juden zu öffnen. Unter diesen Umständen bekamen die Juden von den vielen Konsulaten in Wien nur ein hartes und enttäuschendes „Nein“. Da sprach sich aber eine Nachricht unter den Juden schnell herum: Der 17-jährige Eric Goldstaub stellte am 20. Juli 1938 im chinesischen Generalkonsulat in Wien einen Einreiseantrag und bekam auf einmal 20 Visa für seine ganze Familie.

Ein echtes Licht im Dunkeln! Danach erlebte das chinesische Generalkonsulat einen großen Zulauf jüdischer Asylbewerber. Viele Juden erhielten hier ihre „Lebensvisa“ nach Shanghai oder dies ermöglichte es ihnen, ein Transitvisum zu erhalten und damit aus Europa in die USA oder nach Australien zu fliehen. Darüber war die Naziregierung erbost. Bereits zu Beginn des Jahres 1939 wurden die Räumlichkeiten des chinesischen Generalkonsulats in Wien unter dem Vorwand, dass die Häuser zu jüdischem Besitz zählten, beschlagnahmt. Allerdings gab He Fengshan nicht nach: Er mietete auf eigene Kosten ein kleines Haus und stellte weiter für Juden Visa aus.
Chen Jie, der damalige chinesische Botschafter in Deutschland, machte sich aber Sorgen um ihn. Zu jener Zeit kam er gerade in Deutschland an und musste versuchen, die Beziehung zwischen China und Deutschland zu verbessern. Da er Bedenken hatte, dass die Vergabe der Visa an Juden Hitler missfiel und dadurch die bilaterale Beziehung verschlechterte, war er nicht einverstanden mit dieser großzügigen Visavergabe an Juden. Aber He Fengshan hörte nicht auf ihn und machte weiter. Seine Gegner konstruierten daraus einen schlechten Bericht über ihn, indem er des Verkaufs von Visa beschuldigt wurde. Vor diesem Hintergrund unternahm Chen Jie eine Untersuchung gegen He Fengshan in Wien. Obwohl er keinen Beweis für He Fengshans Beschuldigung fand, wurde He Fengshan im Mai 1940 aus Wien versetzt.
Es lässt sich nicht genau feststellen, wie viele Visa He Fengshan an die Juden ausgestellt hat. Ein paar von den Überlebenden beibehaltenen Visa geben aber zu erkennen, dass He Fengshan innerhalb von kurzer Zeit eine große Menge an Visa an Juden vergab: Im Juni 1938 erhielt ein Überlebender sein Visum mit der Nummer 200. Einen Monat später, nämlich am 20. Juli bekam ein jüdischer Flüchtling sein Visum schon mit der Nummer 1200. Bis zum 27. Oktober stieg die Nummer des Visums schon auf 1906. Nach der Reichskristallnacht im Jahr 1938 erhielten immer mehr jüdische Flüchtlinge von He Fengshan ihre Lebensvisa nach Shanghai. Einer Statistik nach kamen über 4000 Flüchtlinge, die im Hongkou-Ghetto Zuflucht nahmen, aus Österreich. So lässt sich nachrechnen, dass He sehr wahrscheinlich mehr als 4000 Visa ausgestellt hat.
Im Jahr 1973 schrieb He Fengshan, der bereits im Ruhestand war und in San Francisco lebte, in seinen Memoiren „40 Jahre meiner diplomatischen Karriere“, dass es eine Selbstverständlichkeit und ein Muss war, ein tiefes Mitleid mit den Leidenden zu haben und ihnen dann behilflich zu sein. Am 28. September 1997 war He Fengshan im hohen Alter von 96 in San Francisco, den USA, verstorben. Seine Taten kamen ans Licht, als sich seine Tochter He Manli in seinem Nachruf auf diese Geschehnisse in Wien besann. Eric Soul, ein amerikanischer Historiker mit jüdischem Hintergrund las diesen Nachruf im „Boston Globe“ und setzte sich mit ihr in Verbindung, um sich darüber genauer zu erkundigen. Er besuchte danach viele Überlebende und deren Nachkommen, die die von He Fengshan unterzeichneten Visa aufbewahrten.
Am 2. April 2000 wurde eine Fotoausstellung zum Thema „Visa fürs Leben – Diplomaten, die Juden retteten“ im Ausstellungsraum der Vereinten Nationen in New York eröffnet, wobei 71 Diplomaten näher gebracht wurden, darunter auch Dr. He Fengshan. Am 23. Januar 2001 verlieh die israelische Regierung He Fengshan den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“. Außerdem wurde noch eine Gedenktafel in Yad Vashem, der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust angebracht. Manche europäischen Historiker sind sogar der Meinung, dass niemand mehr Juden gerettet hat als der chinesische Schindler, Dr. He Fengshan.
(Chen Hongyan: ao. Professorin an der Germanistischen Fakultät der SISU; Guo Junrong: Masterstudentin der Germanistischen Fakultät der SISU. Korrektur: T. E.)
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