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Entsprechendes Lesen
Stepha Quitterer: Hausbesuche - 200 fremde Wohnungen in 200 Tagen. Eine grenzüberschreitende „Weltreise“ der anderen Art im ehemaligen DDR-Bezirk Prenzlauer Berg in Berlin
13 April 2026 | By Wei Jiayi | SISU
Am 8. April 2026 stellte die deutsche Autorin Stepha Quitterer im Vortrag an der SISU ihr Buch „Hausbesuche“ vor. Darin geht es um ein ungewöhnliches Projekt - sie besuchte in 200 Tagen insgesamt 200 Haushalte in ihrer Nachbarschaft in Berlin.
Das Projekt fand im Stadtteil Prenzlauer Berg, einem Bezirk im Ost-Berlin, statt. Obwohl die Bewohner dort zu Zeiten der DDR es schwer hatten, veränderte sich der Stadtteil nach der Wende stark. Immer mehr Menschen aus Westdeutschland zogen zu, angezogen von niedrigen Mieten und der kulturellen Atmosphäre.
Diese Entwicklung führte zur sogenannten „Gentrifizierung“. Sie hatte zur Folge, dass die Mieten stiegen und viele alte Bewohner wegziehen mussten. Dadurch entstanden soziale Spannungen zwischen „Alteingesessenen“ und „neu Zugezogenen“. Besonders deutlich wurde dies im sogenannten „Schwabenhass“. Auch Gruppen wie die „Prenzlauer-Berg-Mütter“ wurden gehasst und sogar angefeindet.
2011 erreichte der Schwabenhass seinen Höhepunkt. Da zog Frau Quitterer selbst in Prenzlauer Berg zu. Sie kam aus Süddeutschland, wurde frisch Mutter und befand sich in der Elternzeit. Ihr Leben veränderte sich stark, und sie fühlte sich in ihrer neuen Umgebung plötzlich isoliert. Vor diesem Hintergrund stellte sie sich die Frage: Was für Menschen waren denn diese, die so hasserfüllt waren?
Um Antworten zu finden, begann sie, mit selbstgebackenen Kuchen an fremden Türen zu klingeln. Am Anfang fiel ihr das sehr schwer, da sie sehr schüchtern und eigentlich gar keine gute Bäckerin war. In den ersten Wochen musste sie sogar die Kuchen selbst essen. Auch ihr ehemaliger Mann konnte sie nicht verstehen.
Es gab überraschenderweise eine positive Erfahrung. Eine Frau reagierte freundlich und offen, obwohl Frau Quitterer damals sehr unsicher war. Diese erste erfolgreiche Begegnung gab ihr den Mut weiterzumachen.
Allerdings lief ihr Projekt nicht immer so gut. Frau Quitterer erzählte von ihren weiteren Begegnungen: Bei einer Wohnung wurde sie direkt und unhöflich abgewiesen, bei einer anderen, in der ein arroganter Schnösel wohnte, wurde sie gar nicht ernst genommen.
Glücklicherweise verbesserte sich allmählich die Situation. Einige Menschen reagierten freundlich, ließen sie hinein und führten Gespräche mit ihr. Durch Medienberichte wurde ihr Projekt bekannter, und immer mehr Menschen öffneten ihre Türen. Sie traf ganz unterschiedliche Personen: Von Designerfreaks zu unordentlichen Menschen, jeder hatte seine eigene Lebensgeschichte. Gerade diese Vielfalt machte das Projekt für sie besonders wertvoll.
Sie betonte, dass man beim Betreten einer Wohnung nicht nur einen Raum sehe, sondern einen Einblick in das Leben eines Menschen bekomme. Sie empfand große Dankbarkeit und wurde durch das Projekt demütiger.
Interessant ist auch, dass etwa die Hälfte der Menschen, die sie hineinließen, aus dem Osten und die andere Hälfte aus dem Westen kam. Das zeigt, dass die Unterschiede zwischen dem Osten und dem Westen zwar existierten, aber nicht so übertrieben waren. Auch die Gesellschaft ist nicht schwarz-weiß, sondern viel komplexer.
Frau Quitterer ist der Meinung, dass viele Konflikte nach der Wende wegen sozialer Ungerechtigkeit entstanden seien. Gerade deshalb sei es wichtig, miteinander zu sprechen und sich kennenzulernen. Ihr Projekt zeigt, dass Kommunikation helfen kann, Vorurteile abzubauen und mehr Verständnis zu schaffen.
Am Ende des Vortrags stellte Frau Li Jinyi eine Frage zum „weiblichen Schreiben“. Frau Quitterer erklärte, dass es immer noch Klischees gebe und Werke von Frauen oft anders bewertet würden. Als Beispiel nannte sie J. K. Rowling und betonte, wie wichtig es sei, sich selbst treu zu bleiben.
Den Ausklang des Vortrags bildete Frau Quitterers Wunsch, dass alle an fremde Türen gehen und klingeln könnten, um zu erleben, wie gastfreundlich und freundlich die Menschen seien.
(Verfasserin: Germanistikstudentin des 3. Jahrgangs)
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