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Entsprechendes Lesen
Chinesisch-deutsche Kooperationen in Taicang: SISU-Exkursion zur Lokalisierungspraxis deutscher Unternehmen
29 July 2026 | By Cao Kaiyan | SISU
Seit der Ansiedlung des ersten deutschen Unternehmens im Jahr 1993 hat sich Taicang zu einem der bedeutendsten Standorte für deutsche Investoren in China entwickelt. Heute beherbergt die Stadt über 560 deutsche Unternehmen. Vor diesem Hintergrund besuchte ein Projektteam der School of European and Latin American Studies (SELAS) der Shanghai International Studies University (SISU) am 20. Juli 2026 ausgewählte Unternehmen und den Ausstellungsraum für die duale Ausbildung in Taicang.
United Automotive Electronic Systems (UAES): Vom Technologietransfer zur eigenständigen Entwicklung
Die UAES wurde 1995 als Joint Venture zwischen der China United Automotive Electronics und der deutschen Robert Bosch GmbH gegründet und zählt zu den Vorreitern der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit im Bereich der Fahrzeugelektronik.
Das Unternehmen belieferte den chinesischen Markt zunächst mit eingeführter Bosch-Technologie. Gleichzeitig wird der eigenständigen Forschung und Entwicklung viel Bedeutung beigemessen, und das Portfolio hat sich von Verbrennungsmotoren über Getriebesteuerungen bis hin zu Antriebssystemen für Elektrofahrzeuge und vernetzte Mobilität erweitert. Der Standort Taicang übernimmt dabei die Rolle des Produktionszentrums für elektrische Antriebe.
Auf die Frage der interkulturellen Kommunikation meinte der Personalchef Herr Ma Cong, dass die Verbindung der bewährten deutschen Arbeitsverfahren und dem flexiblen Reaktionsvermögen der Mitarbeitenden auf die dynamische Marktentwicklung ein entscheidender Erfolgsfoktor für die Entwicklung des Unternehmens sei.
Im Hinblick auf die internationale Expansion seien Fachkräfte mit betriebswirtschaftlichem und juristischem Fachwissen sowie interkultureller Kompetenz gefragt. Dazu betonte Hu Kai, Vizedekan der SELAS, dass die Bildung an der SISU nicht auf reine Sprachvermittlung, sondern auf interdisziplinäre Kompetenzbildung ausgerichtet sei. Durch Studiengänge wie „Germanistik + Betriebswirtschaftslehre“ und „Germanistik + Management“ werden praxisnahe Talente ausgebildet, die sowohl über Sprachkenntnisse als auch über Fachwissen verfügen und den Anforderungen von Unternehmen wie UAES in hohem Maße entsprechen.
Zentrum für chinesisch-deutsche Industrie-Bildungs-Kooperation: Keimzelle des „Taicang-Modells“ der dualen Ausbildung
Die zweite Station war das Zentrum für chinesisch-deutsche Industrie-Bildungs-Kooperation als Meilenstein der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Deutschland im Bereich der dualen Ausbildung. Dank der engen Vernetzung der vier Akteure – Regierung, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Industrieverbände – hat es die Aufgabe, das duale System an die lokalen Gegebenheiten anzupassen, branchenspezifische Fachkräfte auszubilden und den chinesisch-deutschen Austausch zu fördern.
Besonders hervorzuheben ist die lokale Adaption: Statt einer direkten Übernahme des deutschen Modells wurde ein „Taicang-Modell“ entwickelt, das die chinesische Berufsbildungslandschaft und die Bedürfnisse der lokal ansässigen Unternehmen berücksichtigt. Es umfasst eine durchgängige Bildungskette von der beruflichen Erstausbildung über die Fachhochschule bis zum Bachelor-Studium. Derzeit sind im Zentrum 30 internationale Bildungs- und Trainingsinstitutionen involviert, darunter bekannte Namen wie Siemens, Bosch Rexroth und Festo. Durch gemeinsame Ausbildungszentren wird eine „gemeinschaftliche Nutzung“ von Ressourcen ermöglicht, was kleineren Unternehmen hilft, hohe Kosten eigener Ausbildungsstätten zu vermeiden. Somit werden über 560 deutsche Betriebe in Taicang unterstützt.
Unter dem Motto „Einstellung mit der Immatrikulation, Übernahme nach dem Abschluss“ wird die Nachfrage der deutschen Firmen direkt bedient. Jährlich werden viele hochqualifizierte Fachkräfte ausgebildet, deren Zeugnisse auch durch AHK zertifiziert werden können. Besonders zu erwähnen ist, dass das Zentrum auch mehrere hervorragende Absolventen hervorgebracht hat, die sich zu technischen Führungskräften oder Nachwuchsmanagern in den Betrieben entwickelt haben.
Memminger-Iro: Intelligente Transformation eines traditionellen Textilmaschinenbauers
Die dritte Station war die Memminger-Iro (Taicang) Textilmaschinen GmbH. Im Laufe von fast 30 Jahren hat sich der Standort von einer reinen Montagebasis zu einem Produktionszentrum mit eigener Forschungs- und Entwicklungskompetenz entwickelt.
Die Branchentrends verfolgend sieht das Unternehmen große Zukunftspotenziale im ostasiatischen Markt und hat einen dringenden Bedarf an Ingenieuren, die mit der Muttergesellschaft in Europa zügig kommunizieren können, indem sie sowohl über technisches Wissen als auch über Sprachkenntnisse verfügen. Auch im Vertrieb sind solche Kombifachkräfte gefragt. Dazu könnte die SISU mit berufsbezogenen sprachlichen Ausbildungsangeboten einen Beitrag leisten, dass die Techniker und Ingenieure ihre Sprachfertigkeit verbessern und ihre interkulturelle Kommunikationsfähigkeit ausbauen, so Prof. Dr. Hu Kai.
Mubea Automotive Parts: Entwicklung eines traditionsreichen Familienunternehmens
Der letzte Besuch galt der Mubea Automotive Parts (Taicang) Co., Ltd. Die Tochtergesellschaft des deutschen Familienunternehmens, das auf eine Geschichte von 110 Jahren zurückblickt, ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in Taicang ansässig. Angesichts der rasanten Entwicklung des chinesischen New-Energy-Marktes legt Mubea Wert darauf, grüne Technologien zu entwickeln mit dem ambitionierten Ziel, bis 2035 Kohlenstoffneutralität zu verwirklichen.
In der Personalentwicklung ist Mubea ein aktiver Partner des dualen Ausbildungssystems. Über 15 Prozent der Mitarbeiter in der Produktion sind Absolventen des dualen Ausbildungssystems. Sie identifizieren sich stärker mit den Qualitäts- und Prozessstandards des Unternehmens. Außerdem liegt es dem traditionsreichen Unternehmen sehr an, schneller auf Kundenwünsche reagieren zu können, indem die Arbeitsverfahren ständig verbessert werden.
Vom realen Personalbedarf der Industrie zur Ausbildung interdisziplinärer Talente
Die Exkursion hat gezeigt, dass Taicang ein dynamisches Ökosystem geschaffen hat, das auf deutscher Fertigungstechnologie, dualer Ausbildung und kulturellem Austausch basiert. Während des Besuchs hatten die Studierenden die Möglichkeit, die Produktionslinie hautnah zu erleben und mit den Unternehmensvertreter*innen intensive Gespräche zu Themen wie Personalstandards, interkultureller Zusammenarbeit und Lokalisierungsprozesse deutscher Unternehmen zu führen.
Die besuchten Unternehmen – ob für Automobilelektronik, Textilmaschinen oder für Autozubehörteile – teilen einen ähnlichen Bedarf an Fachkräften: Mitarbeiter, die technisches Wissen mit Sprachfähigkeiten verbinden, die sowohl deutsche Standards als auch chinesische Dynamik verstehen, werden gebraucht. Diese unmittelbaren Auskünfte aus der Praxis verschafften den Teilnehmenden ein tiefes Verständnis für die tatsächlichen Personalanforderungen der Industrie.
Für SELAS der SISU liefert diese Exkursion wertvolle Einblicke in die realen Personalanforderungen der chinesisch-deutschen Industriezusammenarbeit und bietet Anknüpfungspunkte für die Optimierung der interdisziplinären Talentausbildung, die mit 30 Jahren Erfahrung auch bereits zu einem bedeutenden Träger des Bildungsangebots wird. Damit die Grundlage für eine reibungslose Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen geschaffen wird, sollte im Zeitalter der KI die Vermittlung von Sprache und Fachwissen mit der Vermittlung von Kultur- und Regelbewusstsein verbunden werden.
(Verfasserin: Masterstudentin in Germanistik; Video: Jin Yifan, Masterstudentin in Germanistik)
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